Österreichs Bundesheer

Objektschutz in den Luftstreitkräften

Das oft zitierte "neue Bedrohungsbild", dem sich das Österreichische Bundesheer gegenüber sieht, bedarf einer ebenso häufig geforderten Anpassung der militärischen Strukturen. Die aktuellen potenziellen Bedrohungen kennen keine Vorwarnzeiten. Gut ausgebildete und vorbereitete Kräfte müssen daher permanent bereitgehalten werden, um rasch reagieren zu können. Bei den Luftstreitkräften zum Beispiel ist die Einrichtung einer MSOK (Mobilen Sicherungs- und Objektschutzkraft) unabdingbar.

Spezifika der Luftstreitkräfte

Die Luftstreitkräfte verfügen über Gerät, welches in punkto Bedienung, Erhaltung, Instandsetzung/Wartung und Verwaltung eines hohen Personal-, Ausbildungs- und vor allem Kostenaufwandes bedarf. In Fragen der Sicherheit werden gerade im Flugdienst keine Kompromisse eingegangen. Die militärische Sicherung von Gerät, Personal und Liegenschaften bleibt hingegen unverständlicherweise finanziell auf der Strecke. Im Gegensatz zu Verbänden und Einheiten der Landstreitkräfte, welche für Sicherungsaufgaben naturgemäß auf Gewehrträger in vergleichbar hohem Ausmaß zurückgreifen können, ist in den Organisationsplänen der Luftstreitkräfte offensichtlich kein Platz für zusätzliche Kräfte zur Sicherung. Dass die Luftkomponente für eine Armee ein wesentlicher Faktor ist, beweisen nicht nur größere, bewaffnete Auseinandersetzungen in der Vergangenheit, sondern auch die Tatsache, dass in modernen Armeen diesem Umstand mit einem sehr hohen technischen und personellen Sicherheitsaufwand Rechnung getragen wird (siehe auch den Beitrag "Objektschutz ernst genommen - Das Objektschutzbataillon der Deutschen Luftwaffe", in TRUPPENDIENST, Hefte 4 und 5/2003).

Die Fliegerhorste gehören flächenmäßig zu den größten militärischen Liegenschaften. Es liegt daher auf der Hand, einen erhöhten technischen und personellen Einsatz zu deren Sicherung fordern zu müssen. Gerade in Zeiten von geringen bis nahezu keinen Vorwarnzeiten für Bedrohungen, in denen militärische Liegenschaften selbst zum Ziel von Anschlägen werden können, muss eine intensiv ausgebildete, gut ausgerüstete, permanent verfügbare und vor allem mobil gehaltene Eingreifkraft bereitstehen.

Die Sicherung der Fliegerhorste ist zur Zeit nur durch Wachen und Bereitschaften gewährleistet. Jedem Fliegerregiment ist je eine Wach-, Sicherungs- und Ausbildungskompanie unterstellt, welche jeweils im April und Oktober einen Einrückungstermin für das ganze Regiment auszubilden hat. Eine dauerhafte Verfügbarkeit der Soldaten ist bereits durch die Einrückungssystematik gegeben. Die Mehrheit der etwa 200 Grundwehrdiener wird nach der Allgemeinen Basisausbildung allerdings in Funktionen verwendet, die den Einsatz als Eingreifkraft weder vorsehen, noch möglich machen. Für den Mobilmachungsfall wird die Kompanie mit beorderten Soldaten aufgefüllt, sodass vier Wachzüge á 42 Mann zur Verfügung stehen. Da es allerdings kein Geheimnis ist, wie entscheidungsfreudig die Verantwortlichen hinsichtlich einer Mobilmachung sind, wie uns die Erfahrung beim Einsatz zur Sicherung der Staatsgrenze 1991 gelehrt hat, kann der heutigen Bedrohungslage mit dieser Lösung nicht begegnet werden. Hinzu kommt, dass das Kaderpersonal im Friedensbetrieb (Verwaltung und Ausbildung) innerhalb der Einheit wenig bis gar keine Möglichkeit hat, die an der Waffenschule (Jägerschule) erlernten Fertigkeiten zu trainieren, zu erhalten und zu erweitern.

MSOK - eine Antwort auf viele Probleme

Die MSOK ist eine zugsstarke Eingreifkraft mit hohem Kaderanteil und einer spezialisierten Ausbildung, die auf Einsätze und Aufträge für den jeweiligen fliegenden Verband zugeschnitten ist. Bei der durchschnittlichen Größe eines Fliegerhorstes (zirka fünf Quadratkilometer) müsste ein ganzes Infanteriebataillon ausschließlich zu dessen Sicherung eingesetzt werden. "Wer alles sichert, sichert nichts" - dem ist durch Flexibilität zu begegnen. Eine Eingreifkraft muss rasch am Ort des Geschehens sein können, sie muss also mobil sein. Sie soll entschlossen handeln können, und daher gut ausgebildet und vorbereitet sein. Sie muss den unterschiedlichen Bedrohungen mit der entsprechenden Ausstattung und Ausrüstung begegnen können. Schon die für das Bundesheer geltenden Bedrohungsstufen fordern eine solche Truppe: Intensive Kenntnisse des Wachdienstes, des Sicherungsdienstes und des Nahkampfes, die Erfüllung von CRC-(Crowd and Riot Control-)Aufgaben und natürlich des Objektschutzes mit allen Konsequenzen.

Die Beherrschung aller Themen wie Verteidigung, Angriff aus der Bewegung und Checkpointdienst, ebenso wie Kampf im verbauten Gebiet und die Scharfschützenausbildung sind Voraussetzungen. Für die Durchführung von Begleitschutzaufträgen von Luftfahrzeugen (vor allem solche mit Lufttransportkapazität) ist natürlich eine Lufttransportausbildung und eine Ausbildung zur Aufklärung und Sicherung von Verfügungsräumen notwendig. Zum Schutz von Lufttransporten im Gebirge ist eine Alpinausbildung für die Sicherungstruppe erforderlich und um Landezonen in unmittelbarer Nähe von Gewässern sichern zu können, sollte eine militärische Schwimmausbildung ebenfalls nicht im Ausbildungsplan fehlen.

Umsetzung in die Praxis

Am Fliegerhorst Brumowski in Langenlebarn wurde mit dem Einrückungstermin April 2003 ein Modellversuch gestartet und eine MSOK im Fliegerregiment 1 gebildet. Seither wurden bereits zwei Kontingente erfolgreich ausgebildet und die Rückmeldungen auch seitens der operativen Führung waren durchwegs positiv. Das Ausbildungspersonal der Wach- und Sicherungskompanie stellt die Basis, welche durch 15 bis 20 Rekruten verstärkt wird. Die Grundwehrdiener rekrutieren sich ausschließlich aus Freiwilligen, die im Rahmen der Wachausbildung aufgrund ihrer Tauglichkeit, ihres Willens und ihrer Belastbarkeit ausgesucht werden. Nach der intensiven Sicherungsdienstausbildung während der Allgemeinen Basisausbildung und der dreiwöchigen Wachausbildung folgt die MSOK-Basisausbildung: MG 74, P 80, Nahkampf, CRC, Ortskampf, Dienst am Checkpoint und Lufttransport werden in Wochenblöcken ausgebildet. Im weiteren Training werden diese Themen in Tagesblöcken wiederholt und um Übungen in den Bereichen Aufklärung, Alpindienst, militärische Schwimmausbildung und gesicherter Fußmarsch erweitert. Nach der MSOK-Basisausbildung werden Scharfschützen, Funker und Melder für ihre Funktionen geschult, und jeder MSOK-Rekrut absolviert die vorbereitende Kaderausbildung (vbK). So kann er selbstständig und im Trupp richtig im Sinne des Kommandanten handeln. Bei Übungen mit Einheiten anderer Truppenkörper und im Einsatz als Sicherheitsorgan bei Öffentlichkeitsveranstaltungen der Luftstreitkräfte konnte die MSOK das Gelernte bereits mit Erfolg anwenden. Durch die Vielschichtigkeit der Ausbildung ist auch der Kadernachwuchs und somit die Gewinnung von Freiwilligen kein Problem. Die Motivation der Soldaten ist durchwegs gut.

Das liebe Geld

Natürlich ist nicht alles eitel Wonne. So kämpft die MSOK mit den selben Problemen wie der Rest des Bundesheeres - wenig und mangelhaftes Gerät aufgrund budgetärer Engpässe. Die unzureichende Fahrzeugausstattung stellt dabei die bereits zitierte Mobilität in Frage.

Die Tatsache, dass im Objektschutz ein deutlicher Bedarf an Panzerabwehrwaffen besteht, ist nach wie vor unumstößlich. Da für Einheiten fliegender Verbände keine Ausstattung mit Panzerabwehrrohren (PAR) vorgesehen ist, wird schon die grundlegende PAR-Ausbildung erschwert. Von der raschen Verfügbarkeit der Waffen und Munition für Einsätze ist dabei noch gar keine Rede. Die notwendigen Fliegerabwehrkapazitäten für den Objektschutz können dagegen durch territorial verfügbare Fliegerabwehr- und leichte Fliegerabwehrlenkwaffeneinheiten abgedeckt werden.

Da das Projekt noch in seinen Kinderschuhen steckt, sind Änderungen, Anpassungen und eine luftstreitkräfteweite Einführung solcher Kräfte für die Zukunft nur zu erhoffen.

___________________________________ ___________________________________ Autor: Leutnant Mag. (FH) Bernhard Tampir, Jahrgang 1978. 1996 Matura am Militärrealgymnasium, danach Einjährig Freiwilliger. 2001 als Infanterieoffizier zum Fliegerregiment 1 ausgemustert; seit 2001 Kommandant der Wach- und Sicherungskompanie des Fliegerregimentes 1; seit 2003 zusätzlich Stabsoffizier im Regiment. Mit Planung, Ausbildung und Führung der MSOK beauftragt. Seit 2003 Nahkampfausbilder.

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