Österreichs Bundesheer

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Die slowenischen Streitkräfte in friedensunterstützenden Einsätzen

Die slowenischen Streitkräfte nehmen seit 1997 aktiv an friedensunterstützenden Einsätzen unter Mandaten verschiedener internationaler und regionaler Organisationen teil. Das erste Kontingent der slowenischen Streitkräfte wurde vor sieben Jahren mit 21 Mann der Sanitätstruppe der Operation "SUN RISE" in Albanien zugeteilt. Inzwischen hat sich die Zahl slowenischer Soldaten verzehnfacht.

Slowenien möchte im Einklang mit seinen Ressourcen und Interessen einen Beitrag zum Aufbau des Friedens und der Stabilität in der Welt leisten, vor allem aber in seiner unmittelbaren Umgebung, in Südosteuropa und am Balkan. Die slowenischen Soldaten in Bosnien und der Herzegowina schaffen unter anderem grundlegende Bedingungen für eine ungestörte wirtschaftliche, kulturelle und soziale Entwicklung. Die Beseitigung der Kriegsfolgen und die Normalisierung der Verhältnisse stehen in Bosnien und Herzegowina an erster Stelle.

Friedenskontingent in Albanien

Der erste Friedenseinsatz, an dem Slowenien mit seinen Angehörigen teilnahm, war die Operation "SUN RISE (ALBA)" in Albanien. Sie verlief unter der Schirmherrschaft der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE), unter dem Kommando der italienischen Streitkräfte und mit Mandat der Vereinten Nationen. Von Mai bis Juli 1997 waren Sanitätskräfte der slowenischen Streitkräfte in der Stärke von 21 Mann eingesetzt, welche die medizinische Versorgung von Angehörigen der Friedenstruppe übernahmen. Ein slowenischer Offizier verrichtete im operativen Kommando in Rom seinen Dienst.

Acht Kontingente auf Zypern

Der erste Friedenseinsatz unter der Führung der Vereinten Nationen, an dem sich Angehörige der slowenischen Streitkräfte beteiligten, war die Beobachtermission UNFICYP (United Nations Peacekeeping Force in Cyprus). Die Mission begann 1964, um Auseinandersetzungen zwischen der griechischen und der türkischen Volksgruppe zu verhindern. Als es 1974 zu einer erneuten Eskalation kam, erweiterte der UN-Weltsicherheitsrat das Mandat der Mission auf die Überwachung des Waffenstillstandes, die Einhaltung der Pufferzone und die Mitwirkung an humanitären Aktivitäten.

Ab September 1997 war in dieser Mission, unter dem Kommando des Österreichischen Bundesheeres, das 10. Bataillon für internationale Zusammenarbeit (heute Teil des trilateralen österreichischungarischslowenischen Bataillons UNAHSB - United Nations Austrian-Hungarian-Slovenian Batallion) eingesetzt. An den ersten zwei Kontingenten nahm Slowenien mit einer Gruppe (10 Mann) teil. Im September 1998 waren es 27 Mann, im fünften Kontingent 1999 bereits 29, unter ihnen auch zwei Soldatinnen. Die slowenischen Soldaten beobachteten, überwachten und sie schritten bei Zwischenfällen in der Pufferzone ein. Insgesamt waren acht Kontingente der slowenischen Streitkräfte bei UNFICYP eingesetzt, im Juni 2001 wurden die Soldaten von Zypern abgezogen.

Slowenen am Golan ...

Die zweite Mission unter einem UN-Mandat, in der Angehörige der slowenischen Streitkräfte nach wie vor eingesetzt sind, ist die Beobachtermission UNTSO (United Nations Truce Supervision Organization) im Nahen Osten. Diese wurde 1948 ins Leben gerufen und ist die älteste noch laufende UN-Mission. Seit Oktober 1998 sind zwei Angehörige der slowenischen Streitkräfte als Militärbeobachter eingesetzt. Einerseits als Mitglied der Mission UNDOF (United Nations Disengagement Observer Force), andererseits als Mitglied der Mission UNIFIL (United Nations Interim Force in Lebanon) versehen sie im israelischlibanesischen Sektor auf den Golan-Höhen ihren Dienst. Seit September 2002 ist ein dritter slowenischer Offizier Kommandant der Militärbeobachterstelle. Deren Aufgabe ist es, vor allem zu beobachten, den Waffenstillstand zu wahren und die Einhaltung anderer Waffenstillstandsabkommen zu überwachen.

... und im Kosovo

Seit Oktober 1999 wirkte Slowenien noch in der Mission UNMIK (United Nations Mission for Interim Administration in Kosovo) mit. Bis Dezember 2000 versah ein Offizier der slowenischen Streitkräfte seinen Dienst im Koordinationszentrum für Entminung. Er arbeitete an der Planung zur Entminung des Kosovo mit und leitete die Erkundung von verminten Gebieten. Seit Juli 2001 ist Slowenien im Amt des Hohen UN-Vertreters für Flüchtlinge (United Nation Office of the High Representative - UNOHR) in Bosnien und Herzegowina vertreten.

Frieden im ehemaligen Jugoslawien

"JOINT FORGE": Slowenien wirkte in Operationen unter der Schirmherrschaft des Nordatlantikpaktes als Mitglied der Partnerschaft für den Frieden mit. Die erste Mission mit slowenischer Beteiligung - unter der Führung der NATO - war die Operation "JOINT FORGE" in Bosnien und Herzegowina. Damals wurde der internationalen Friedenstruppe SFOR (Stabilization Force) eine Flieger- und Hubschrauber-Rotte der slowenischen Streitkräfte beigestellt. Ihr Auftrag war der tägliche Transport von SFOR-Stabsmitgliedern sowie die Transporte Leichtverwundeter. In dieser Rotte waren 18 Angehörige der 15. Fliegerbrigade, die über drei Hubschrauber Agusta Bell AB.412 und ein Transportflugzeug L-410 "Turbolet" verfügten. Zwei Hubschrauberbesatzungen und eine Fliegerbesatzung waren am Fliegerhorst Brnik in ständiger Bereitschaft.

Multinational Specialized Unit: Seit Februar 1999 ist ein Zug der Militärstreife mit 26 Angehörigen der slowenischen Streitkräfte ein Teil der MSU (Multinational Specialized Unit) in Bosnien und Herzegowina. Im September 2001 wurde ein weiterer Zug mit 23 Mann beigestellt, so dass Slowenien heute mit insgesamt 49 Angehörigen an der MSU beteiligt ist. Ihre Hauptaufgabe ist die Durchführung militärpolizeilicher Aufgaben im Verantwortungsbereich, wie Streifendienst, das Sammeln von Informationen und deren Auswertung, Verkehrskontrollen sowie das Herstellen der öffentlichen Ruhe und Ordnung.

"ALLIED HARBOUR": Von Mai bis Juli 1999 waren Angehörige der slowenischen Streitkräfte an der Friedensmission "ALLIED HARBOUR" als Teil der AFOR (Albanian Force) eingesetzt. Die Mission kam den Kosovo-Flüchtlingen in Albanien zugute und beinhaltete humanitäre Hilfeleistung. In dieser Mission wirkten 26 Angehörige der Sanitätstruppe der slowenischen Streitkräfte mit, zwei Offiziere zeichneten für die Zusammenarbeit mit zivilen Organisationen verantwortlich. Sie waren vor allem mit der medizinischen Versorgung von Angehörigen der Friedenstruppe und jenen zivilen Menschen, welche aus der Bundesrepublik Jugoslawien geflüchtet waren, beauftragt.

Die Sanitätstruppe in Sarajewo: In der Sanitätstruppe der slowenischen Streitkräfte, die im Rahmen des Hauptverbandsplatzes (Role 1) in Sarajewo eingesetzt ist, begannen zwölf Angehörige im Februar 2000 ihren Dienst bei SFOR. Diese Einheit sorgt für allgemeine und rasche medizinische Hilfe für Angehörige der Friedenstruppe. Die Hilfeleistung lag mit der Zeit über dem Niveau der SFOR-Standards, weshalb ihr der Standard "Role 1+" zugeschrieben wurde. Dadurch erfolgte eine Erweiterung der ärztlichen Erstversorgung auf Präventivmedizin, wobei der Sanitätstruppe auch grundlegende Laboruntersuchungen sowie Gesundheitsuntersuchungen des Küchen- und Bedienungspersonals oblagen.

Die Einheit war mit modernen Geräten, Rettungsfahrzeugen, einem Mini-Laboratorium für Blutuntersuchungen und einer Apotheke ausgestattet und verwendete Arzneimittel der slowenischen Pharmaindustrie.

In Bosnien und Herzegowina: Im Jänner 2003 wurde das bisher größte Kontingent der slowenischen Streitkräfte mit 86 Angehörigen des 10. motorisierten Bataillons nach Bosnien und Herzegowina entsandt. Die Truppe ist in der "Multinationalen Kampfgruppe Nord" eingesetzt, die den nördlichen Teil Bosniens und der Herzegowina abdeckt. In der Kampfgruppe befindet sich neben dem portugiesischslowenischen auch ein polnisches Bataillon. Die slowenische Truppe ist am Stützpunkt Dannevirke in Doboj stationiert. Ihre Hauptaufgaben sind Streifendienst, Überwachung der Waffenlager, Verlegungen, Überwachung der Entminung des Geländes sowie Unterstützung von humanitären Organisationen beim Transport und bei der Verteilung von Gütern.

Die slowenische Truppe besteht aus sieben Offizieren, zwölf Unteroffizieren und 67 Mannschaftsdienstgraden. Seit Mai sind in Bosnien und Herzegowina auch elf Angehörige des nationalen Unterstützungselementes (National Support Element - NSE) eingesetzt, welche die slowenische Truppe administrativ und logistisch unterstützen.

"JOINT GUARDIAN": Eine NATO-Mission, an der Slowenien noch nicht lange teilnimmt, ist "JOINT GUARDIAN" im Kosovo, die im Juni 1999 gegründet wurde. Sie soll die Sicherheit festigen, die Inkraftsetzung der UN-Resolution 1244 (beschlossen vom UN-Weltsicherheitsrat) erfüllen und die Überwachung der Umsetzung des militärtechnischen Abkommens (von der NATO und der Bundesrepublik Jugoslawien unterzeichnet) gewährleisten.

"KOSOVO FORCE": Slowenien wirkt seit Jänner 2000 bei KFOR mit. Sechs Offiziere übernahmen Funktionen in den Bereichen der zivilmilitärischen Beziehungen und der Öffentlichkeitsarbeit. Derzeit sind es ein Offizier und ein Unteroffizier, die in Stabsfunktionen im Kommando der internationalen KFOR-Truppe in Pristina Dienst versehen.

Im November 2003 entsandte Slowenien im Rahmen des Kommandos der Multinationalen Landstreitkräfte auch elf Offiziere und Unteroffiziere zu einer sechsmonatigen Friedenseinsatz zur KFOR-Truppe. Die Multinationalen Landstreitkräfte setzen sich aus den Streitkräften Italiens, Ungarns und Sloweniens zusammen. Dabei handelt es sich um die erste operative Aufgabe in einem friedensunterstützenden Einsatz seit der Aufstellung der trilateralen Brigade. Die Stabsmitglieder der Brigade werden im Rahmen des deutschitalienischen Kommandos Aufgaben im Kommando der "Multinationalen Brigade Südwest" mit Sitz in Prizren wahrnehmen.

"CONCORDIA" in Mazedonien: Die Europäische Union übernahm am 31. März 2003 von der NATO die Führung der Friedensmission in Mazedonien, genannt "CONCORDIA". Ihr Hauptzweck ist die Gewährleistung der Stabilität und Sicherheit zur Umsetzung des Friedensabkommens von Ohrid. In dieser Mission ist seit März 2003 ein slowenischer Offizier als Adjutant des operativen Kommandanten der EU-Kräfte in Skopje eingesetzt.

Stabilität in der Region

Bei der Teilnahme der slowenischen Streitkräfte an Friedenseinsätzen handelt es sich eindeutig um eine Verflechtung politischdiplomatischer und sicherheitspolitischer Interessen.

Slowenien hat von 1997 bis 1999 vor allem aus politischdiplomatischen Gründen an Friedenseinsätzen teilgenommen, besonders um das Prestige zu steigern, die Erwartungen anderer Partnerstaaten zu erfüllen, den Anforderungen internationaler Integration gerecht zu werden und internationale Anerkennung zu erhalten.

Auch für die Teilnahme an Operationen unter dem Kommando der NATO waren außenpolitische Gründe ausschlaggebend, die die Aufnahme Sloweniens in diese Organisation beschleunigen sollten.

Seit 2000 steht aber das nationale Sicherheitsinteresse Sloweniens verstärkt im Vordergrund und Slowenien leistet einiges zur Festigung der Sicherheit und Stabilität, besonders in der näheren Region. Dabei ist der organisierten Kriminalität und dem Terrorismus der Kampf angesagt, aber auch die Zuwanderung von Flüchtlingen muss eingedämmt werden. Als vollwertiges NATO-Mitglied wird Slowenien mit seiner Teilnahme an Friedenseinsätzen seine Verpflichtungen gegenüber dem Bündnis erfüllen.

___________________________________ ___________________________________ Autor: Wachtmeister Marko Pislar, wohnhaft in Idrija/Slowenien, ist diplomierter Journalist. Er diplomierte 1998 an der Fakultät für Gesellschaftswissenschaften der Universität Laibach am Institut für Journalistik, Studienzweig Marktkommunikation. Seit der Ableistung seines Grundwehrdienstes 2000 an der Offiziersschule der slowenischen Streitkräfte ist er Redaktionsmitglied der militärfachlichen Zeitschrift des Verteidigungsministeriums der Republik Slowenien, der Zeitschrift Slovenska vojska, wo er vor allem den militärischen Bereich abdeckt.

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