Österreichs Bundesheer

Zum Nachdenken:

Weniger Kriege - weniger Streitkräfte: ein brandgefährlicher Trugschluss

Vorbeugemaßnahmen können viele Brände verhindern, doch leider nicht alle. Sie können z. B. nicht verhindern, dass durch die Missachtung von Sicherheitsregeln Brände entstehen oder einzelne Brandstifter in ihrem Drang zur "Selbstverwirklichung" bewusst Sicherheitseinrichtungen umgehen und Feuer legen. Wo es aber früher z. B. fünfmal im Jahr gebrannt hat, brennt es nun vielleicht nur mehr einmal in zwei Jahren.

Und für weniger Brände braucht man weniger Feuerwehr! Schade um das viele Geld, das die Aufrechterhaltung einer Feuerwehrorganisation der derzeitigen Stärke kostet. Hier könnte man einiges einsparen! Nachdem es offenbar gelungen ist, das Brandrisiko zu zehnteln, könnte man doch neun von zehn Feuerwehrleuten entlassen, neun von zehn Spritzenfahrzeugen verkaufen, neun von zehn Feuerwehrzentralen auflassen usw.

Diese Schlussfolgerung ist bestechend einfach, geht ins Ohr, ist gut argumentierbar, leicht nachzuvollziehen, logisch und - g r u n d f a l s c h . Denn: Egal, ob es in einer Kleinstadt an fünfzig Tagen im Jahr brennt, an fünf Tagen oder gar "nur" einmal in zehn Jahren - die Anzahl der Brände (sofern sie nicht gleichzeitig ausbrechen) hat keine Auswirkung auf die Anzahl der Feuerwehrleute und ihre Ausstattung. Bei jedem Brand muss die volle Löschmannschaft einschließlich Gerät rechtzeitig zur Verfügung stehen. Ob sie jede Woche zum Einsatz kommt oder nur einmal im Jahrzehnt ist dabei für ihre Sollstärke, Ausrüstung und Ausbildung irrelevant! Entweder die Feuerwehr kann effektiv Brände bekämpfen oder zumindest deren Ausweitung verhindern, egal wie oft oder selten sie das muss -, oder sie ist wertlos.

Ähnliches gilt für die Streitkräfte einer Demokratie. Aus der derzeitigen europäischen Entwicklung abzuleiten, Kriege wären nun seltener, ist richtig. Falsch ist aber, daraus zu schließen, es würde aufgrund des Friedensprojektes EU nie wieder Kriege geben. Das wäre genau so falsch, wie zu folgern, es gäbe aufgrund flächendeckender Brandschutzbelehrungen und der Verwendung brandhemmender Baumaterialien in Zukunft nie wieder einen Brand.

Entweder die Streitkräfte können sicherheitspolitische "Brandherde" effektiv unter Kontrolle bringen, egal wie oft oder wie selten sie das müssen -, oder sie sind wertlos. Ob es in einer Region nun fünfzigmal "brandelt", zehnmal oder "nur" einmal in fünfzig Jahren, ist für ihre Sollstärke, Ausrüstung und Ausbildung irrelevant! Denn im Fall eines drohenden Konfliktes oder einer Krise müssen sie ausreichend stark, gut ausgerüstet und gut ausgebildet sein. (Die Schweiz und Schweden verfügen z. B. über Mobstärken von ca. 220 000 bzw. 260 000 Soldaten.) Besser, sie haben dann ein wenig zuviel als - dank irgendeines "Sparefrohs" - viel zu wenig.

All das bedeutet jedoch keineswegs ein zwanghaftes Festhalten an althergebrachten Vorstellungen und Verfahren. Wenn sich die Mittel und Methoden der Brandstifter ändern - z. B. Flugbenzin im Wolkenkratzer statt der Kerze im Heuschober - muss die Feuerwehr darauf reagieren. Geht es nun z. B. um eine nahezu weltweite asymmetrische Kriegführung gegen Terror anstelle der Panzerschlacht bei Kursk, können auch die Streitkräfte nicht so bleiben, wie sie sind. Reformen sind daher unverzichtbar. Niemand sollte aber den militärischen Fachleuten, die aus guten Gründen (siehe oben) auf personellen und materiellen Mindeststärken sowie auf Mindestausbildungszeiten beharren, a priori "Reformunlust" unterstellen.

Statt sich mit Populärem (Wehrdienstzeitverkürzung, ...) wichtig zu machen, sollten Menschen mit Verantwortungsgefühl - ob Reformkommissionsmitglieder oder nicht - Wichtiges populär machen: z. B. dass "weniger Kriege" nicht zu (noch) "weniger Soldaten", "weniger Ausrüstung" oder "weniger Ausbildung" führen dürfen, will Österreich auch in Zukunft Sicherheit und Frieden.

-VY-

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